Ratgeber

Neuen Instagram-Account nach einer Sperre erstellen?

Ein neues Konto ist in zwei Minuten angelegt. Es fühlt sich an wie Handeln: endlich wieder posten, Kunden erreichen, Freunden Bescheid sagen. Nach Metas Regeln ist es oft der schnellste Weg, auch das zu verlieren, was noch zu retten wäre.

Redaktion Sperrfall.deAktualisiert: 7 Min. Lesezeit
Inhalt dieser Seite
  1. Darf ich nach einer Sperre einen neuen Instagram-Account erstellen?
  2. Was Meta alles als Umgehung wertet
  3. Warum ein neues Konto deine Lage verschlechtert
  4. Zweitkonten, Firmenkonten, Facebook: Wo es heikel wird
  5. Was dir ganz legal offenbleibt
  6. Wann ist ein Neustart realistisch?
  7. Was ein Ersatzkonto für Einspruch und Gericht bedeutet
  8. Häufige Fragen
Kurz beantwortet

Nach Nr. 4.1 der Instagram-Nutzungsbedingungen darf Instagram nicht nutzen, wessen Konto Meta bereits wegen eines Verstoßes deaktiviert hat. Ein neues Konto nach einer solchen Deaktivierung ist deshalb selbst ein Verstoß und kann – wie andere Konten derselben Person – nach Metas Richtlinie „Kontointegrität“ ebenfalls deaktiviert werden. Außerdem schwächt es deinen Einspruch, die Streitbeilegung und ein mögliches Eilverfahren. Anders liegt es nur, wenn dein Konto nicht wegen eines Verstoßes deaktiviert, sondern von dir selbst oder einem Hacker gelöscht wurde.

Wer gesperrt ist, will vor allem eines: wieder erreichbar sein. Für Follower, für Kunden, für Freunde, die schon fragen, ob man sie blockiert hat. Die Versuchung, einfach ein neues Profil anzulegen, ist riesig. Diese Seite erklärt, was Metas Regeln dazu sagen, warum ein Ersatzkonto deine Chancen auf das alte meist verschlechtert – und welche Wege dir ganz legal offenbleiben.

Darf ich nach einer Sperre einen neuen Instagram-Account erstellen?

Wenn Meta dein Konto wegen eines Regelverstoßes deaktiviert hat: nein. Nach Nr. 4.1 der Instagram-Nutzungsbedingungen (deutsche Fassung, gültig ab 01.01.2025) darf Instagram nur nutzen, wessen Konto Meta nicht bereits früher wegen eines Verstoßes gegen die Richtlinien deaktiviert hat. Ein neues Konto nach einer solchen Deaktivierung ist damit selbst ein Verstoß gegen die Bedingungen.

Nr. 4.2 ergänzt: Du darfst nicht versuchen, Bedingungen und Richtlinien zu umgehen, und keine Konten oder Benutzernamen kaufen, verkaufen oder übertragen. Das betrifft auch die Zeit vor einer endgültigen Entscheidung. Nach Metas Seite „Deaktivierung von Konten“ (Stand 17.07.2025) werden Konten, die erstellt wurden, um Einschränkungen zu umgehen, deaktiviert, sobald Meta davon erfährt.

Nicht jede Sperre ist eine Deaktivierung

Das Nutzungsverbot knüpft an eine Deaktivierung wegen eines Verstoßes an. Ein Aktionsblock, eine Funktionssperre nach einer Verwarnung oder eine Sicherheitssperre sind etwas anderes. Welcher Status bei dir vorliegt, klärt der Ratgeber Gesperrt, deaktiviert, gelöscht, eingeschränkt. Ein Ersatzkonto, um eine laufende Einschränkung zu umgehen, ist aber auch dort ein Verstoß.

Was Meta alles als Umgehung wertet

Die maßgebliche Regel steht in Metas Gemeinschaftsstandard „Kontointegrität“ (Stand 28.05.2026). Danach kann Meta Konten einschränken oder deaktivieren, die

  • derselben Person oder Organisation gehören wie ein Konto, das deaktiviert wurde,
  • erstellt oder umfunktioniert wurden, um eine frühere Entfernung zu umgehen,
  • angelegt wurden, um jemanden zu kontaktieren, der ein Konto blockiert hat,
  • eng mit Netzwerken verbunden sind, die Richtlinien verletzen oder umgehen.

Die erste Fallgruppe ist die folgenreichste: Sie erfasst nicht nur neue Konten, sondern auch Zweitkonten, die schon vor der Sperre existierten. Wie Meta Konten einer Person zuordnet, legt das Unternehmen nicht offen. Dass verknüpfte Konten in der Praxis mitgesperrt werden, ist aber belegt: Das Appeals Centre Europe schließt Konten, die wegen einer Verknüpfung mit anderen gesperrten Konten gesperrt wurden, ausdrücklich von seiner Streitbeilegung aus. Hintergründe zu dieser Sperrkategorie stehen auf der Seite Instagram gesperrt wegen Kontointegrität.

SituationNach Metas RegelnRisiko
Neues Konto nach Deaktivierung wegen VerstoßNutzung untersagt (Nr. 4.1), Umgehunghoch
Ersatzkonto während einer vorübergehenden SperreUmgehung einer Einschränkunghoch
Bestehendes Zweitkonto derselben Personkann deaktiviert werdenhoch
Konto, um jemanden zu erreichen, der dich blockiert hatausdrücklich erfassthoch
Firmenkonto, das du mitverwaltestnicht ausdrücklich geregeltunklar
Neues Konto nach eigener Löschung, ohne Verstoßmöglich, alter Benutzername evtl. nichtgering

Warum ein neues Konto deine Lage verschlechtert

Ein Ersatzkonto löst kein Problem, es schafft ein zweites. Fünf Gründe, warum es in fast jedem Fall die schlechtere Wahl ist:

  1. Es wird oft ebenfalls gesperrt. Betroffene berichten, dass neue Konten auch mit neuer E-Mail-Adresse binnen kurzer Zeit deaktiviert wurden – teils zusammen mit weiteren Konten, die Meta derselben Person zuordnet.
  2. Es liefert Meta einen eigenen, sauberen Grund. Selbst wenn die ursprüngliche Sperre angreifbar war, steht nun ein zweiter Vorwurf im Raum: Umgehung. Gegen diesen lässt sich deutlich schwerer argumentieren.
  3. Es verschließt kostenlose Wege. Das Appeals Centre Europe nimmt Fälle zu Sperrumgehung und zu verknüpften Konten nicht an. Was die außergerichtliche Streitbeilegung sonst leisten kann, geht dir so womöglich verloren.
  4. Es schwächt deine Position vor Gericht. Gerichte wägen im Eilverfahren die Interessen beider Seiten ab. Wer sich darauf beruft, dass Meta die eigenen Bedingungen einhalten muss, sollte sie nicht gleichzeitig selbst brechen.
  5. Es nimmt deinem Fall die Eile. Wer schon ein Ersatzkonto aufgebaut hat, liefert der Gegenseite womöglich das Argument, dass es mit dem alten Konto so dringend nicht sein kann. Ob das in deinem Fall verfängt, beurteilt die Anwältin oder der Anwalt.
Mythos

„Mit neuer E-Mail-Adresse und neuem Namen ist das ein ganz neues Konto. Das hat mit der Sperre nichts zu tun.“

Fakt

Metas Regel knüpft nicht an die E-Mail-Adresse an, sondern an die Person: Erfasst sind Konten, die derselben Person gehören wie ein deaktiviertes Konto. Ob Meta das sofort oder erst Monate später erkennt, ändert nichts daran, dass es ein Verstoß ist – und dass dann womöglich alle zugeordneten Konten betroffen sind.

Zweitkonten, Firmenkonten, Facebook: Wo es heikel wird

Im Alltag hat kaum jemand nur ein Konto. Eine E-Mail-Adresse kann laut Instagram-Hilfe mit bis zu fünf Instagram-Konten verknüpft sein, und viele Selbstständige verwalten neben dem eigenen Profil ein Firmen- oder Projektkonto. Nach einer Deaktivierung wird genau diese Normalität zum Risiko:

  • Bestehende Zweitkonten fallen unter „derselben Person gehörend“. Ob du sie weiter nutzt, solltest du nicht allein entscheiden.
  • Firmen- und Kundenkonten, die du mitverwaltest, regelt Meta nicht ausdrücklich. Halte fest, wer welches Konto besitzt und wer welche Rolle hat. Das brauchst du, falls Meta eine Verknüpfung behauptet.
  • Werbekonten können laut Meta-Business-Hilfe ebenfalls deaktiviert werden, wenn dein persönliches Profil für Werbung eingeschränkt ist und du dort einziger Nutzer bist. Das betrifft vor allem Selbstständige, die ihre Anzeigen allein verwalten.
  • Facebook: Eine offizielle Aussage, dass verknüpfte Facebook-Konten automatisch mitgesperrt werden, gibt es nicht. Medien berichten aber über solche Fälle. Was in dieser Lage gilt, erklärt Facebook und Instagram gleichzeitig gesperrt.
Finger weg von „Neustart-Tools“

In den Suchergebnissen zu Instagram-Sperren werben Anbieter von Software, die genau das verspricht, was Meta als Umgehung wertet. Wer solche Werkzeuge nutzt, verstößt gegen die Nutzungsbedingungen und liefert Meta einen weiteren Sperrgrund. Bei Sperrfall geben wir dazu bewusst keine Tipps.

Die gute Nachricht: Die meisten Dinge, die du mit einem Ersatzkonto erreichen willst, erreichst du auch ohne Instagram – und ohne Risiko für dein altes Konto.

Erreichbar bleiben

Informiere Kunden per E-Mail, Telefon oder Newsletter. Nutze deine Website, einen Messenger-Kanal oder andere Plattformen, um deiner Community zu sagen, was passiert ist. Das sind keine Instagram-Konten.

Dein Konto zurückholen

Lege den Einspruch in der App ein, sichere Beweise, nutze die Streitbeilegung und prüfe mit einer Anwältin oder einem Anwalt die einstweilige Verfügung.

Deine Daten sichern

Fotos, Nachrichten und Kontaktlisten kannst du auch ohne aktives Konto anfordern. Wie das geht, steht im Ratgeber Was ist nach der Sperre noch zu retten?

Dritte einbinden – richtig

Partner dürfen über dich berichten. Sie sollten aber kein Ersatzkonto für dich betreiben und nicht deine alten Inhalte auf Instagram neu hochladen.

Wann ist ein Neustart realistisch?

Ehrlich gesagt: seltener, als viele hoffen. Es kommt darauf an, warum dein Konto weg ist.

  • Selbst gelöscht: Laut Instagram-Hilfe kannst du mit derselben E-Mail-Adresse ein neues Konto anlegen, den alten Benutzernamen aber eventuell nicht zurückbekommen.
  • Von einem Hacker gelöscht: Kein Verstoß von dir – prüfe aber zuerst, ob du die Löschung über die Wiederherstellung für gehackte Konten noch stoppen kannst.
  • Vorübergehend eingeschränkt: Hier brauchst du kein neues Konto. Die Einschränkung endet oder lässt sich per Einspruch klären.
  • Wegen eines Verstoßes deaktiviert: Solange die Deaktivierung besteht, gibt es nach den Nutzungsbedingungen keinen regelkonformen Neustart. Eine zeitliche Grenze nennen sie nicht.

Selbst wo ein Neustart erlaubt ist, beginnt er bei null. Eine kanadische Secondhand-Boutique, die rund 60 Prozent ihres Umsatzes über Instagram machte, erreichte nach einem Neustart laut Medienbericht statt rund 60.000 nur noch etwa 4.000 Follower. Für Konten mit Reichweite ist die Aufhebung der Deaktivierung deshalb fast immer der wertvollere Weg.

Was ein Ersatzkonto für Einspruch und Gericht bedeutet

Gerichte haben Meta in mehreren Instagram-Eilverfahren verpflichtet, deaktivierte Konten wiederherzustellen. Das LG Berlin II hielt Metas Interesse an der Sperre dort für weniger schutzwürdig, weil Meta die in den eigenen Nutzungsbedingungen zugesagte Anhörung unterlassen hatte (61 O 99/25 Kart eV). Dieselbe Logik kann sich gegen dich wenden, wenn du während des Verfahrens selbst gegen die Bedingungen verstößt.

Wie ernst Gerichte die Frage künftigen Wohlverhaltens nehmen, zeigt das Berufungsverfahren dazu: Das Kammergericht regte einen Vergleich an, bei dem das Konto mit einer einjährigen „Bewährungsfrist“ wiederhergestellt werden sollte (U 2/25 Kart). Ein laufendes Ersatzkonto passt zu einem solchen Szenario schlecht. Dazu kommt die Uhr: Nach dem OLG Köln schadet der Eilbedürftigkeit in der Regel erst ein Zuwarten von mehr als einem Monat (15 W 70/18). Diese Wochen sind zu kostbar für ein Ersatzkonto – nutze sie für Einspruch, Beweise und die rechtliche Prüfung. Wie viel Zeit dir bleibt, zeigt der Fristenrechner.

Erreichbar bleiben, ohne das alte Konto zu gefährden

Das Kommunikations-Kit im Freigabe-Blueprint enthält Vorlagen dafür, was du Kunden, Kooperationspartnern und Followern jetzt sagst – und über welche Kanäle, ohne gegen Metas Umgehungsregeln zu verstoßen. Wenn dein Account dein Einkommen ist, übernimmt Sperrfall.de bei der Account-Rettung Komplett auch die Abstimmung mit deinen Kunden. Unsicher, ob bei dir überhaupt eine Deaktivierung vorliegt? Der kostenlose Sperr-Check klärt das in wenigen Minuten.

Häufige Fragen

Darf ich nach einer Instagram-Sperre einen neuen Account erstellen?

Wurde dein Konto wegen eines Regelverstoßes deaktiviert, nein: Die Nutzungsbedingungen schließen dich dann von der Nutzung aus. Auch während einer vorübergehenden Sperre gilt ein Konto, das die Einschränkung umgehen soll, als Verstoß. Erlaubt ist ein Neustart nach den Regeln vor allem dann, wenn du dein Konto selbst gelöscht hast.

Warum wurde mein neuer Instagram-Account sofort gesperrt?

Meta kann nach der Richtlinie „Kontointegrität“ Konten einschränken oder deaktivieren, die derselben Person gehören wie ein deaktiviertes Konto oder die angelegt wurden, um eine frühere Entfernung zu umgehen. Wie Meta Konten einander zuordnet, legt das Unternehmen nicht offen. Betroffene berichten, dass neue Konten auch mit neuer E-Mail-Adresse innerhalb kurzer Zeit gesperrt wurden.

Werden meine anderen Instagram-Konten auch gesperrt?

Das kann passieren. Eine offizielle Aussage, dass verknüpfte Konten automatisch mitgesperrt werden, gibt es nicht. Dass solche Sperren vorkommen, zeigt aber zum Beispiel das Appeals Centre Europe, das Konten ausdrücklich ausschließt, die wegen einer Verknüpfung mit anderen gesperrten Konten gesperrt wurden.

Kann ich meinen alten Benutzernamen wieder verwenden?

Nicht unbedingt. Laut Instagram-Hilfe kannst du dich unter Umständen nicht erneut mit demselben Benutzernamen registrieren, wenn das Profil wegen eines Verstoßes entfernt wurde. Benutzernamen zu kaufen oder übertragen zu lassen, verbieten die Nutzungsbedingungen.

Wie lange gilt das Verbot, ein neues Konto zu nutzen?

Die Nutzungsbedingungen nennen keine zeitliche Grenze. Solange die Deaktivierung wegen eines Verstoßes besteht, bleibt jedes neue Konto ein Risiko. Der saubere Weg zu einem aktiven Konto führt deshalb über die Aufhebung der Deaktivierung – per Einspruch, Streitbeilegung oder gerichtlich.

Darf ich meine Community über andere Kanäle informieren?

Ja. Eine Website, ein Newsletter, E-Mails an Kunden oder andere Plattformen sind keine Instagram-Konten und fallen nicht unter Metas Umgehungsregeln. Kritisch wird es erst, wenn Dritte für dich ein Instagram-Ersatzkonto betreiben oder deine alten Inhalte dort neu hochladen.

Quellen & Rechtsgrundlagen: Instagram-Nutzungsbedingungen, Nr. 4.1 und 4.2 (help.instagram.com/581066165581870, gültig ab 01.01.2025) · Meta Transparency Center: Gemeinschaftsstandards „Kontointegrität“ (Stand 28.05.2026) · Meta Transparency Center: Deaktivierung von Konten (Stand 17.07.2025) · Instagram-Hilfe: Konto löschen (help.instagram.com/139886812848894) · Instagram-Hilfe: mehrere Konten (help.instagram.com/820908501364727) · Meta-Business-Hilfe: Werbeeinschränkungen (facebook.com/business/help/975570072950669) · Appeals Centre Europe, FAQ und Transparenzbericht 2026 · KG, Beschl. v. 04.03.2026 – U 2/25 Kart · LG Berlin II, Urt. v. 28.07.2025 – 61 O 99/25 Kart eV · OLG Köln, Beschl. v. 09.05.2019 – 15 W 70/18
Redaktion Sperrfall.de

Unser Gründer hat seinen eigenen, ohne Warnung gesperrten Creator-Account per einstweiliger Verfügung gegen eine große Plattform zurückgeholt. Unsere Inhalte stützen sich auf veröffentlichte Gerichtsentscheidungen, den Digital Services Act und die offiziellen Instagram- und Meta-Richtlinien. Keine Rechtsberatung – im Einzelfall entscheidet eine zugelassene Anwältin oder ein Anwalt. So arbeiten wir.